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Warum Ratschläge nicht immer hilfreich sind - vor allem nicht im Systemischen Coaching.

  • Autorenbild: Isabella
    Isabella
  • 23. Nov. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 7. Dez. 2025

Ratschläge und Tipps sind fast immer gut gemeint.


Menschen wollen unterstützen, entlasten, Lösungen liefern. Und natürlich können Ratschläge manchmal auch hilfreich sein – keine Frage. Manchmal bitten wir sogar aktiv darum. Und manchmal prasseln sie ungefragt auf uns ein.


Doch was machen Ratschläge eigentlich mit einem Menschen?


Stell dir vor, du erzählst jemandem von einer Situation, die dich beschäftigt. Vielleicht steckst du fest, bist unsicher, wünschst dir Klarheit. Und bevor du überhaupt zu Ende gesprochen hast, kommt ein Vorschlag. Ein Tipp. Ein „Mach doch einfach…“. Oder "Ich habe mal was Ähnliches erlebt...".


Was passiert innerlich?


Vielleicht fühlst du dich nicht richtig gehört.

Vielleicht ziehst du dich zurück.

Vielleicht entsteht Druck, weil du den Tipp eigentlich gar nicht umsetzen möchtest.

Oder du hast das Gefühl, dass deine eigene Perspektive weniger zählt als die Lösung eines anderen.


Ratschläge wirken oft schneller, als wir bewusst wahrnehmen. Sie können ungewollt klein machen, bevormunden oder das Gefühl vermitteln, dass jemand anders besser weiß, was gut für dich ist.


Warum also keine Ratschläge im Coaching?


Im systemischen Coaching betrachten wir Menschen als Expert*innen ihres eigenen Lebens. Nicht ich als Coach kenne die Lösung - sondern du. Du allein. Meine Aufgabe ist es nicht, dir meinen Weg zu zeigen, sondern dir zu helfen, deinen eigenen klarer zu sehen.


Wenn ich dir einen Ratschlag gebe, passiert Folgendes:

  • Deine Selbstwirksamkeit sinkt. Du lernst nicht, deine eigene Antwort zu finden, sondern orientierst dich an meiner.

  • Ich übernehme Verantwortung, die eigentlich dir gehört. Das schwächt deinen eigenen Handlungsspielraum.

  • Meine Lösung passt vielleicht gar nicht zu dir. Sie basiert auf meiner Geschichte, meinen Werten, meinen Erfahrungen – nicht auf deinen.

  • Die Tiefe der Veränderung bleibt aus. Lösungen, die du selbst entwickelst, sind nachhaltiger und fühlen sich stimmiger an.


Coaching arbeitet mit Fragen statt mit Antworten


Im Coaching geht es darum, Räume zu öffnen. Räume für Reflexion, neue Perspektiven, neue Verhaltensmöglichkeiten. Durch Fragen, nicht durch Vorgaben.


Fragen wie:

Was brauchst du wirklich?

Wozu ist dein aktuelles Verhalten vielleicht gerade hilfreich?

Welche Alternativen fallen dir ein?

Was wäre der erste, kleinste Schritt?


Solche Fragen aktivieren deine eigene innere Weisheit, dein Erfahrungswissen und deine Kreativität. Und genau das ist der Kern systemischer Arbeit: Du kommst in Kontakt mit deiner eigenen Lösung – statt die Idee eines anderen umzusetzen.


Aber heißt das, Coaching gibt gar keine Orientierung?


Doch. Aber nicht in Form von Tipps. Sondern in Form von Struktur, Klarheit, Spiegelung, Methoden und einem sicheren Rahmen, in dem du dich selbst besser verstehen kannst.


Gute Coaches halten dir keinen Weg hin – sie halten dir einen Raum hin.


Ratschläge können gut gemeint sein. Aber sie ersetzen nicht deinen eigenen Weg.

Deshalb gebe ich in meinen Coachings keine Ratschläge. Nicht, weil ich nicht helfen möchte, sondern weil ich genau das möchte: dass du in deine Kraft kommst. Dass du spürst, dass du Antworten in dir trägst. Dass du dich auf deinem Weg sicher fühlst, weil du ihn selbst gewählt hast.


Coaching ist keine Anleitung. Coaching ist Begleitung.

Und du bist die Expertin deines Lebens.

 
 
 

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